18. Juli bis 18. August 2012

Künstlereingang

der Blick durchs Schlüsselloch der Bregenzer Festspiele

Mittwochs von und mit: Manfred Bischelsberger


Historische Momente

Mittwoch, 11. August 2010 Die sportlichen Seiten der Festspiele

Einen wahrlich historischen Moment durfte ich vergangenen Montag beim sportlichen Höhepunkt des Festspielsommers - dem Festspiel-Fußballturnier - miterleben. Unglaublicher Weise konnte das Team aus der Buchhaltung rund um Mannschaftsführerin und Managerin Daniela Hafner zum ersten Mal den so begehrten Sieg dieses spektakulären und sportlich wohl unumstrittenen Turniers einfahren. Mit einem glatten Durchmarsch - sieben Siege aus sieben Spielen - sicherte sich das "Zahlendreher-Team", verstärkt durch Festspielvizepräsident Willi Muzyczyn, Ehrenspielführer und Festspiellegende Walter Liendl und vielen mehr, den ersten Platz und ließ die Konkurrenz um Meilen hinter sich. Scheinbar hat sich die Einkaufspolitik des Uli Hoeneß des Buchhaltungsteams – Dani Hafner – heuer so richtig bezahlt gemacht.

Auch neben dem Festspiel-Fußballturnier sind die Mitarbeiter des Festspielhauses so richtige Sportskanonen. So freue ich mich schon auf das heuer hoffentlich wieder stattfindende Tretbootrennen.

Dieser von der Kommunikation rund um Axel Renner organisierte Event ist an "Gaudifaktor" wohl nicht mehr zu überbieten, wobei auch die sportlichen Aspekte nicht zu unterschätzen sind. Müssen doch einige hundert Meter rund um die "AIDA"-Bühne in Tretbooten zurückgelegt werden, während die Gegner mit allen Mitteln versuchen, die Boote der anderen zu stoppen. Von Spritzpistolen hin zu Wasserbomben ist da jedes Mittel recht und so richtig trocken bleibt an diesem Nachmittag wohl keiner.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter jetzt endlich halten wird, damit sich die Protagonisten keine Erkältungen oder noch Schlimmeres einfangen und den restlichen Festspielsommer gut überstehen.


Regen in Bregenz

Mittwoch, 04. August 2010. Von Wetterfröschen und Regenmachern.

So richtig wohl gesonnen waren uns die Wettergötter Zeus und Jupiter (oder wer auch sonst dort oben für das Wetter verantwortlich ist) in den ersten zwei Wochen des Festspielsommers 2010 nicht. Während sich die Produktionen rund um Weinberg unter dem schützenden Dach des Festspielhauses, des Theaters Kosmos und des Theaters am Kornmarkt prächtig entwickeln konnten und sich regen Zuschauerinteresses erfreuen, haben wir mit der "Aida" auf dem See so unsere liebe Not.

Während der ersten neun Vorstellungen mussten wir wetterbedingt ein Mal komplett im Haus spielen und zwei Mal mitten im Stück übersiedeln. Für uns Festspielmitarbeiter ist das jedes Mal aufs Neue ein Drama. Da geht es entgegen vieler Leute Meinung nicht um finanzielle Aspekte (so sind die Bregenzer Festspiele ja gegen Regenausfälle finanziell versichert), vielmehr ist es die Enttäuschung unserer Besucher, die sich schon so lange auf die Oper am See freuen und die oft sehr weite Anreisen in Kauf nehmen um dieses Spektakel miterleben zu dürfen, die uns so sehr zu schaffen macht. 

Deshalb versuchen wir auch, möglichst lange auf dem See spielen zu lassen (so lange es für die Künstler auf der Bühne nicht gefährlich wird), um für unsere Zuschauer trotz Regen ein Maximum an Festspielfreuden aus dem Abend zu holen. Wer schon einmal an einem lauen Sommerabend am Vorplatz verweilte und in die Gesichter der Besucher einer Seeaufführung sah, die gerade zu Ende gegangen war - wer die Begeisterung und das Funkeln in ihren Augen sah, weiß, dass uns Mitarbeitern das die Kraft gibt, diese doch sehr anstrengenden Wochen zu überstehen.

Ob dieses dramatischen Einflusses des Wetters auf die Gemüter unserer Leute, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich an keinem anderen Ort der Welt (ausgenommen der großen meteorologischen Institute) so viele Wetterexperten versammeln wie in Bregenz.

So entwickelt jeder einzelne Festspielmeteorologe seine eigenen Theorien und findet Indizien dafür, dass am Abend auf jeden Fall gespielt werden kann. Manche schwören auf die Farbe des Sees, manche glauben es an der Kräuselung des Wellenganges festmachen zu können. Wiederum andere behaupten, das Verhalten der Blesshühner und Haubentaucher ließe auf ein Regenloch am Abend schließen. Ich für meinen Teil hoffe, dass wir nun das Gröbste hinter uns haben und freue mich auf die letzten drei, hoffentlich regenfreien, Festspielwochen.


Melancholie

Mittwoch, 28. Juli 2010. Von Höhen und Tiefen, Bergen, Tälern und Seen. Schon komisch, dass ich mich ab und an dem Gefühl nicht verwehren kann, dass der See den gleichen Stimmungsschwankungen unterworfen ist wie wir Menschen. Heute ist er in einen tiefen Schleier aus Melancholie gehüllt und spiegelt in seiner Traurigkeit doch eine tiefe Geborgenheit wider.

Auch wir hatten bei den Bregenzer Festspielen seit der Eröffnung in der letzten Woche Höhen und Tiefen miterleben dürfen und müssen, und es sind vor allem die Tiefen, die uns zwingen, den Rhythmus unserer Welt zu verlangsamen, kurz inne zu halten, um dann wieder einmal einen klareren Blick auf das Wesentliche in unserem Leben werfen zu dürfen. Es sind immer die plötzlichen Verluste, die uns schrecklich schmerzen, um uns dann doch wieder ein Stückchen näher zusammenrücken zu lassen.

Während sich dicke morgendliche Nebelschwaden vom Pfänder aus über die Bregenzer Bucht legen, spüre ich eine tiefe Verbundenheit mit diesem Ort und mit den Menschen, die hier wirken und ich bin dankbar ein Teil dieses wunderbaren Hauses sein zu dürfen.

Und wie ich noch so darüber nachdenke, ob es der See ist, der sich in mir – oder ob ich es bin, der sich im See widerspiegelt - merke ich, wie mich der Takt der Welt wieder einholt und wie mich der See aus seinem Bann entlässt.

Wieder einmal nehme ich einen großen Schluck des kalt gewordenen Kaffees (wenn der wirklich schön machen würde…) und breche auf in einen neuen und sicherlich wieder spannenden Festspieltag.


Lasset die Spiele beginnen, der Countdown läuft

Mittwoch, 21. Juli. Der Tag der Eröffnung der Bregenzer Festspiele 2010. In tiefen Zügen sauge ich die noch etwas schlaftrunkene Atmosphäre des gerade erwachenden Festspielhauses in mich hinein. Wie jeden Morgen stehe ich - bewaffnet mit dem ersten Kaffee des Tages - am Fenster der wohl schönsten Kantine Österreichs, blicke durch ein riesengroßes Panoramafenster auf den glatten See und zähle gerade die Jungtiere der in der benachbarten Bucht lebenden Schwanenfamilie. Heuer sind es 7, fünf Graue und 2 Weiße. – Alle Achtung!

Noch ist es ruhig im Haus. Kaum zu glauben, dass in nicht einmal drei Stunden mehrere tausend Menschen im und ums Festspielhaus die Eröffnung der Festspiele 2010 feiern werden.

Auch für uns Mitarbeiter ist der heutige Tag ein Feiertag. Wir – zumindest diejenigen, die nicht direkt an der Eröffnung mitarbeiten müssen – werden wie jedes Jahr im kleinen Kreis (das sind in diesen Zeiten aber auch mehr als 150 Mitarbeiter) bei belegten Brötchen und einem Gläschen Sekt die Eröffnung via Live-Übertragung aus dem großen Saal verfolgen. Es ist immer wieder wunderschön, wenn die Erntezeit beginnt und die Früchte der Arbeit des letzten Jahres unsere mittlerweile leeren Körbe füllen.

Mit etwas Nervosität im Bauch aber einer riesigen Vorfreude und Spannung schlürfe ich den letzten, mittlerweile kalt gewordenen Schluck Kaffee und mache mich auf in den ersten Tag der Saison 2010. – Lasset die Spiele beginnen.